VKVielfalt im Kopf

Warum es diese Seite gibt

Ich war 58, als vieles in meinem Leben endlich einen Zusammenhang bekam.

Ich heiße Jörg Frie. Jahrzehntelang habe ich gearbeitet, Verantwortung getragen und nach außen meist funktioniert. Erst vor Kurzem verstand ich, warum mich dieses Funktionieren so viel Kraft kostete und manches trotz aller Anstrengung nicht verlässlich gelang. Diese Klarheit kam für mich leider viel zu spät. Daher möchte ich anderen gerne helfen, die Zusammenhänge früher zu erkennen und gezielter nach einer passenden fachlichen Abklärung zu suchen.

Du kannst querlesen. Die Abschnitte funktionieren auch einzeln – beginne dort, was dich gerade am meisten interessiert.

Eine Lebenslinie zeigt einen technisch interessierten Mann vom jungen Tüftler über die Arbeit als Spezialist, Erschöpfung und spätes Verstehen bis zu neuer Orientierung und eigenen Lösungen.
Fähigkeiten können bleiben, während sich Bedingungen und verfügbare Kraft verändern. Erst der Rückblick machte für mich den Zusammenhang sichtbar.

Am Ende meiner Suche standen zwei Diagnosen: ADHS und Autismus – zusammen häufig kurz AuDHS genannt. Sie brachten keine neuen Schwierigkeiten hervor. Sie zeigten mir vielmehr, dass Erfahrungen zusammengehörten, die ich bis dahin getrennt betrachtet hatte: innere Unruhe und Chaos, Reizüberlastung, Schwierigkeiten mit Prioritäten und dieser kaum erklärbare Widerstand beim Anfangen – selbst wenn eine Aufgabe eigentlich überschaubar war.

Zu meinem Leben gehörten aber ebenso deutliche Stärken. Ich kann mich tief in technische und komplexe Themen einarbeiten, erkenne Fehler und Zusammenhänge oft schnell und lasse nicht locker, bis ich eine gute Lösung gefunden habe. Gerade deshalb verstand ich lange nicht, warum anderes so schwerfiel. Mein Schluss war meistens: Wenn ich hier so viel leisten kann, muss ich mich dort eben noch mehr anstrengen. Heute weiß ich, wie unfair dieser Gedanke mir selbst gegenüber war.

„Eine späte Diagnose verändert die Vergangenheit nicht. Aber sie kann verändern, wie man die eigene Geschichte versteht.“

Mein Weg in vier Abschnitten

Vieles war lange da, wurde aber anders erklärt.

Kindheit

Hinweise ohne gemeinsamen Namen

An meine frühe Kindheit erinnere ich mich nur lückenhaft. Alte Schulunterlagen zeigen dennoch ein gemischtes Bild: In manchen Bereichen verstand ich Neues schnell und konnte mich tief in interessante Themen einarbeiten. Gleichzeitig war ich eher zurückhaltend, bei Veränderungen unsicher und bei wiederholenden Aufgaben nicht immer so sorgfältig, wie es von außen erwartet wurde. Was mich interessierte, konnte mich völlig einnehmen; anderes blieb trotz guter Fähigkeiten mühsam. Damals wirkten diese Seiten wie einzelne Eigenschaften und nicht wie Teile eines gemeinsamen Musters.

Jugend & Privatleben

Dabei sein – und trotzdem am Rand stehen

Zu meiner Jugend gehörten Rauchen, Partys und die Suche nach intensiven Erlebnissen. Von außen sah das durchaus gesellig aus. Innerlich blieb ich jedoch häufig Einzelgänger und fühlte mich eher wie ein Außenseiter, der zwar dabei war, aber nicht selbstverständlich dazugehörte. Gesellschaft konnte anregend sein und gleichzeitig Kraft kosten. Rückblickend sehe ich darin keine einfache Erklärung und schon gar keinen Beweis für ADHS oder Autismus – wohl aber ein wiederkehrendes Nebeneinander von Reizsuche, dem Wunsch nach Zugehörigkeit und dem Bedürfnis, mich wieder zurückzuziehen.

Berufsleben

Vom Experten zum ticketgesteuerten „Teiletauscher“

Mehr als zwei Jahrzehnte arbeitete ich in einem technisch anspruchsvollen Umfeld. Ich wurde zum hochspezialisierten Experten, arbeitete mich hartnäckig in komplexe Fehlerbilder ein und wollte Ursachen verstehen, statt nur Symptome zu beseitigen. Genauigkeit, Systemdenken und eigenständige Problemlösung waren dabei echte Stärken. Später veränderte sich die Arbeit grundlegend: Immer häufiger bestimmten Handy, Ticketsystem, Zeitvorgaben und standardisierte Abläufe den nächsten Schritt. Aus fachlicher Problemlösung wurde in meinem Erleben zunehmend vorgegebener Teiletausch. Nicht nur die Menge der Arbeit belastete mich, sondern auch der Verlust von Autonomie, fachlicher Tiefe und Sinn.

Später

Erschöpfung ließ sich nicht mehr übergehen

Über Jahre gab es wiederkehrende Phasen deutlicher Erschöpfung. Ich kehrte zurück, funktionierte weiter und versuchte erneut, mich anzupassen. Anfang 2024 kam schließlich ein beruflicher Bruch. Rückblickend war dieser Schritt lange überfällig: Die Arbeitsbedingungen hatten sich so verändert, dass ich die Belastung mit meinem bisherigen Muster des Funktionierens nicht mehr auffangen konnte. Mit der Arbeit fiel jedoch zugleich eine äußere Struktur weg, die mich trotz allem lange getragen hatte. Im anschließenden neurodivergenten Burnout ließ sich vieles nicht mehr kompensieren oder überspielen. Erst dadurch wurde für mich sichtbar, dass die einzelnen Schwierigkeiten Teil eines lebenslangen Musters sein könnten.

Lange erschienen mir diese Lebensabschnitte wie voneinander getrennte Geschichten. Erst rückblickend wurde daraus ein roter Faden: Vieles gelang – aber häufig nur mit überdurchschnittlich viel innerer Arbeit.

Was lange niemand sah – auch ich nicht

Zwei Seiten, die sich ergänzen – und gleichzeitig viel Kraft kosten.

Heute verstehe ich besser, warum ich mein AuDHS selbst so lange nicht erkennen konnte. Ein Teil von mir braucht Klarheit, Verlässlichkeit, logische Systeme und genügend Zeit, um Dinge wirklich zu durchdringen. Ein anderer Teil sucht Abwechslung, Tempo, neue Reize und den nächsten interessanten Gedanken. Beides ist immer da – nur nicht immer gleich stark.

Manchmal fing meine Genauigkeit das ADHS-Chaos auf. Manchmal ließ mich die spontane, neugierige Seite flexibler erscheinen, als ich mich innerlich fühlte. Von außen konnte das wie ein guter Ausgleich wirken. Tatsächlich musste ich ständig zwischen Ordnung und Veränderung, Konzentration und Ablenkung, Kontakt und Rückzug vermitteln. Für mich war das kein erkennbares Symptom. Es war einfach die Art, wie mein Leben funktionierte.

Mit den Jahren wurde ich immer besser darin, Erwartungen zu lesen, Impulse zurückzuhalten, Überforderung zu überspielen und mithilfe von Erfahrung, Verstand oder Zeitdruck doch noch ein Ergebnis zu liefern. Dieses Maskieren war keine bewusst gespielte Rolle. Es wurde zu einer Gewohnheit, die so selbstverständlich war, dass ich sie selbst kaum noch bemerkte. Ich sah, dass ich funktionierte – aber nicht mehr, wie viel Kraft dieses Funktionieren verbrauchte.

„Laute Gedanken“

Damit meine ich keine Stimmen von außen. Es ist eher ein dichter innerer Strom: Gedanken kommen schnell, verzweigen sich, kommentieren einander und drängen manchmal danach, sofort ausgesprochen oder verfolgt zu werden. Das kann ideenreich und hilfreich sein – oder Ruhe, Zuhören, Schlaf und das Festhalten an einer Aufgabe erschweren.

Interesse, Dringlichkeit und Hyperfokus

Was neu, schwierig oder persönlich spannend ist, kann mich vollständig in seinen Bann ziehen. Bei monotonen Aufgaben fehlt dagegen manchmal der innere Startknopf, obwohl ich ihre Bedeutung verstehe. Eine nahende Frist kann diesen Knopf plötzlich einschalten. Das ist weder fehlender Wille noch eine besondere Superkraft, sondern eine sehr ungleichmäßige Steuerung von Aufmerksamkeit und Antrieb.

„Dopaminsucht“?

Das Bild vom ständig leeren „Dopamintank“ ist verständlich, aber zu einfach: Menschen mit ADHS haben nicht nachweislich immer und überall zu wenig Dopamin. Treffender ist, dass die Signalübertragung und Regulation von Dopamin und Noradrenalin in Netzwerken für Aufmerksamkeit, Motivation und Selbststeuerung anders arbeitet. Neuigkeit, Dringlichkeit und sofortige Belohnung können den Antrieb deshalb stark anschalten, während bei einer monotonen Aufgabe trotz guten Willens kaum etwas „anspringt“.

Umgangssprachlich wird die Suche nach solchen schnellen Belohnungen manchmal „Dopaminsucht“ genannt – etwa bei Gaming, Nikotin, Alkohol, Kaufen, Essen, intensiven Erlebnissen oder häufig wechselnder Nähe. Das ist keine eigenständige medizinische Diagnose und nicht automatisch eine Abhängigkeit. Sobald Kontrolle verloren geht oder Schäden entstehen, braucht das jeweilige Verhalten dennoch eine fachliche Abklärung.

RSD und Zurückweisung

RSD steht für Rejection Sensitive Dysphoria. Der Begriff beschreibt eine sehr starke seelische Reaktion auf tatsächliche, erwartete oder nur vermutete Kritik, Ablehnung und Beschämung. Dabei muss niemand ausdrücklich sagen: „Du bist nicht gut genug.“ Schon eine knappe Nachricht, ein veränderter Tonfall, eine verspätete Antwort, ein korrigierter Fehler oder ein angespannter Gesichtsausdruck können sich plötzlich wie eine persönliche Zurückweisung anfühlen.

Dann entsteht schnell eine innere Geschichte: Ich habe etwas falsch gemacht. Ich genüge nicht. Ich bin zu viel oder nicht genug. Ich habe jemanden enttäuscht und werde nun abgelehnt. Auch neutrale oder mehrdeutige Signale werden auf die eigene Person bezogen. Das kann heftige Scham, Traurigkeit, Angst oder Ärger auslösen – und den Drang, sich sofort zu erklären, besonders perfekt zu sein, es allen recht zu machen, in Gegenangriff zu gehen oder sich vollständig zurückzuziehen. Wenn die Anspannung später sinkt, wirkt die eigene Deutung manchmal überzogen; der Schmerz in diesem Moment war trotzdem echt.

RSD ist keine eigenständige anerkannte Diagnose und nicht jeder Mensch mit ADHS erlebt es. Wissenschaftlich besser untersucht ist die bei ADHS häufige emotionale Dysregulation: Gefühle können schneller anspringen, stärker werden und länger brauchen, bis sie wieder abklingen. Ähnliche Erfahrungen können auch mit Angst, Depression, Trauma, Beziehungserfahrungen oder anderen Belastungen zusammenhängen. Der Begriff kann das eigene Erleben verständlicher machen, ersetzt aber keine fachliche Einordnung.

Wichtig: Einzelne dieser Erfahrungen kennen auch viele Menschen ohne ADHS oder Autismus. Aussagekräftig wird erst das langfristige Gesamtbild – seit früher Entwicklung, in mehreren Lebensbereichen und mit seinen tatsächlichen Folgen.

Der Preis des langen Funktionierens

Irgendwann ließ sich der Preis des Funktionierens nicht mehr übergehen.

Was mir lange geholfen hatte, den Alltag zu bewältigen, wurde selbst zu einer Belastung. Ich kontrollierte Reaktionen, überspielte Reizüberlastung, zwang mich durch Anforderungen und versuchte, nach außen verlässlich zu bleiben. Weil all das längst automatisch ablief, bemerkte ich oft erst sehr spät, dass meine Kraft schon aufgebraucht war.

Sichtbar wurden vor allem Erschöpfung und depressive Phasen. Dafür kann es viele Ursachen geben, die immer eigenständig medizinisch abgeklärt werden sollten. Bei mir blieb jedoch lange ein wichtiger Teil des Gesamtbildes verborgen: die dauernde Kompensation, das innere Gegeneinander und ein Alltag, der häufig mehr Anpassung verlangte, als mir bewusst war. Ich erholte mich, kehrte zurück und versuchte anschließend, wieder genauso zu funktionieren wie vorher. Damit begann der Kreislauf von vorn.

Rückblickend stelle ich mir meine Reizverarbeitung wie ein schützendes Schild vor, das Unwichtiges lange genug auf Abstand hielt. Unter jahrelanger Dauerbelastung zerbröselte dieses Schild nicht an einem einzigen Tag – es wurde Stück für Stück durchlässiger. Irgendwann ließ sich immer weniger ausblenden: Geräusche standen plötzlich gleichberechtigt nebeneinander, Gespräche und Hintergrundlärm drangen ungefiltert nach vorn, Gerüche konnten aufdringlicher werden und mehrere kleine Reize zusammen wurden zu viel. Andere Menschen beschreiben in einer solchen Phase auch Licht als unerträglich grell; bei mir war das nicht der entscheidende Reiz. Das Bild vom zerfallenden Schild ist keine medizinische Erklärung, beschreibt aber gut, wie sich der Verlust meiner bisherigen Filter- und Kompensationsleistung anfühlte.

Als dieses Funktionieren schließlich zusammenbrach, fühlte es sich für mich nicht mehr wie ein gewöhnlicher beruflicher Burnout an. Die Erschöpfung blieb nicht am Arbeitsplatz. Geräusche, Gespräche und Anforderungen wurden schwerer auszuhalten. Selbst kleine Aufgaben konnten unerreichbar wirken, vertraute Fähigkeiten waren nicht mehr zuverlässig verfügbar und Erholung dauerte viel länger als erwartet. Erst der Begriff autistischer oder neurodivergenter Burnout gab mir Worte für diese Erfahrung.

Beruflicher Burnout

Vor allem anhaltende Überlastung im Arbeitskontext

Typisch sind starke Erschöpfung, zunehmende Distanz zur Arbeit und nachlassende Leistungsfähigkeit. Abstand vom belastenden Arbeitsumfeld kann ein wichtiger Teil der Erholung sein.

Autistischer / neurodivergenter Burnout

Eine Überlastung, die das ganze Funktionieren erfassen kann

Beschrieben werden tiefe Erschöpfung, geringere Reiztoleranz sowie ein zeitweiliger Verlust von Fähigkeiten und Alltagsfunktion. Als mögliche Treiber gelten unter anderem langes Masking, sensorische und soziale Überlastung und eine dauerhafte Diskrepanz zwischen Anforderungen und verfügbaren Kräften.

Als die Erklärung kam

Die Diagnose war keine fertige Antwort. Aber sie veränderte meinen Blick zurück.

Nach der langen Suche hatte ich endlich eine fachliche Einordnung. Das war keine Erklärung für jede Schwierigkeit und erst recht kein Schlussstrich. Es war eher der Moment, in dem viele lose Teile meines Lebens zum ersten Mal ein zusammenhängendes Bild ergaben. Dinge, die ich als mangelnde Disziplin oder persönliches Versagen bewertet hatte, ließen sich nun genauer – und menschlicher – betrachten.

Der Weg dorthin verlief nicht geradlinig. Ein erster ADHS-Test ergab bei mir zunächst kein eindeutiges Bild. Rückblickend war gerade das aufschlussreich: Der autistische Anteil und die über Jahrzehnte entwickelte Kompensation konnten manche ADHS-Merkmale ordentlicher, kontrollierter oder weniger sichtbar erscheinen lassen. Umgekehrt konnten Unruhe, spontane Interessenwechsel und das Funktionieren unter Zeitdruck verdecken, wie stark mein Bedürfnis nach Vorhersehbarkeit, Rückzug und Reizschutz tatsächlich war.

Bei AuDHS werden deshalb nicht einfach zwei Ergebniswerte addiert. Ähnliche Verhaltensweisen können unterschiedliche Ursachen haben, scheinbar gegensätzliche Merkmale können nebeneinander bestehen und sich im Alltag teilweise gegenseitig überdecken. Ein Fragebogen bildet immer nur einen Ausschnitt ab. Erst die Entwicklungsgeschichte, konkrete Beispiele aus mehreren Lebensbereichen, mögliche Kindheitshinweise und die sorgfältige Abgrenzung zu anderen Erklärungen machten aus widersprüchlich wirkenden Einzelteilen ein nachvollziehbares Gesamtbild.

Die Erleichterung darüber war groß. Gleichzeitig kamen Trauer und Ärger über die vielen Jahre auf, in denen eine frühere Einordnung vielleicht geholfen hätte. Die Vergangenheit lässt sich dadurch nicht ändern. Aber ich kann heute anders auf sie schauen: weniger vorwurfsvoll, ehrlicher und mit mehr Verständnis dafür, wie viel Kraft ich tatsächlich aufgebracht habe.

Die Suche im deutschen Versorgungssystem

Ausgerechnet dieser Weg verlangt vieles, was gerade kaum noch gelingt.

Eine mögliche Erklärung zu finden war nur der erste Schritt. Danach musste ich herausfinden, wer überhaupt zuständig ist, wer noch neue Patientinnen und Patienten annimmt und wer sich mit ADHS oder Autismus im Erwachsenenalter wirklich auskennt. Es folgten Telefonzeiten, die leicht verpasst werden, Formulare, wiederholte Schilderungen der eigenen Geschichte, Absagen, regionale Zugangsbeschränkungen und geschlossene Wartelisten. Teilweise wurden Wartezeiten nicht mehr in Monaten, sondern in Jahren angegeben.

Das wäre für jeden anstrengend. Für Menschen mit ADHS, Autismus oder beidem kann die Suche selbst zu einer kaum passenden Prüfung werden: planen, priorisieren, Unterlagen sammeln, immer wieder anrufen, Ungewissheit aushalten, nach Zurückweisung neu beginnen und trotz Erschöpfung den Überblick behalten. Genau diese Fähigkeiten können durch exekutive Schwierigkeiten, Reizüberlastung, RSD, Depression oder einen neurodivergenten Burnout bereits stark beeinträchtigt sein. Wer nach der zehnten Absage nicht mehr kann, hat deshalb nicht zu wenig Hilfe gewollt – möglicherweise war der Weg zur Hilfe schlicht nicht zugänglich genug.

Erstkontakt

Ein Gespräch ist noch kein Therapieplatz

Über die 116117 kann eine psychotherapeutische Sprechstunde vermittelt werden. Sie dient der ersten Einschätzung und kann schnell erreichbar sein. Daraus folgt aber weder automatisch eine fortlaufende Therapie noch ein Termin in einer spezialisierten ADHS- oder Autismusambulanz. Die Bundespsychotherapeutenkammer nennt für einen tatsächlichen Psychotherapieplatz weiterhin durchschnittlich etwa 20 Wochen.

BMG zur Sprechstunde ↗BPtK zu Wartezeiten ↗
Kassenversorgung

Freie Fachperson heißt nicht freier Kassenplatz

Gesetzlich Versicherte brauchen für die reguläre Abrechnung eine Praxis mit entsprechender Kassenzulassung oder ein anderes zugelassenes Angebot. Qualifizierte Fachpersonen in Privatpraxen können deshalb nicht jeden gesetzlich Versicherten einfach über dessen Krankenkasse behandeln. So kann ein Privat- oder Selbstzahlertermin verfügbar sein, während für Kassenpatienten kein Platz angeboten werden kann.

BMG zum Zugang zur Psychotherapie ↗
Spezialisierung

Nicht jede gute Praxis bietet diese Diagnostik an

Psychiatrie, Psychotherapie und neuropsychologische Diagnostik überschneiden sich, sind aber nicht dasselbe. Eine Praxis kann Depressionen hervorragend behandeln und trotzdem keine ADHS- oder Autismusdiagnostik für Erwachsene anbieten. Eine psychiatrische Praxis kann Medikamente begleiten, ohne eine umfangreiche Autismusabklärung durchzuführen. Fachkenntnis zu spätdiagnostizierten, stark maskierenden Erwachsenen ist nochmals seltener.

AuDHS

Für mich war es die „Königsdisziplin“

Das ist kein medizinischer Fachbegriff, sondern meine Beschreibung für die zusätzliche Schwierigkeit: ADHS und Autismus können sich ähneln, verstärken, widersprechen oder gegenseitig verdecken. Fachpersonen müssen deshalb nicht nur beide Profile kennen, sondern auch Angst, Depression, Trauma, Schlaf, körperliche Ursachen und andere mögliche Erklärungen sorgfältig mitprüfen. Mein zunächst uneindeutiger ADHS-Test zeigte mir, warum ein einzelner Wert dafür nicht reicht.

Forschung zu überlappenden Merkmalen ↗

Öffentliche Angaben großer deutscher Spezialambulanzen zeigen, wie knapp die Kapazitäten für die spezialisierte Diagnostik sind. Die Beispiele sind eine Momentaufnahme und können sich ändern:

Berlin

Charité

Die Wartelisten der Spezialambulanzen für ADHS- und Autismusdiagnostik im Erwachsenenalter sind aktuell geschlossen. Für Autismus gibt es nur begrenzte, quartalsweise Anmeldemöglichkeiten über eine gemeinsame Berliner Warteliste.

ADHS-Ambulanz ↗Autismus-Ambulanz ↗
Hamburg

UKE

Die Spezialambulanz für Autismus-Spektrum-Störungen bei Erwachsenen teilt mit, dass derzeit keine neuen Patientinnen und Patienten angenommen werden und informiert erst bei einer erneuten Öffnung der Warteliste.

Ambulante Angebote des UKE ↗
Nordrhein-Westfalen

Uniklinik Köln

Die Erwachsenenambulanz nennt eine Wartezeit von zwei bis drei Jahren. Wegen der hohen Nachfrage nimmt sie neu nur noch Menschen aus Köln und Umgebung auf.

Autismus-Spezialambulanz ↗

Stand der Angaben: 16. August 2026. Die verlinkten Einrichtungen können Aufnahmebedingungen und Wartelisten jederzeit ändern. Die Beispiele belegen keine bundesweit einheitliche Wartezeit. Sie zeigen konkrete Zugangshürden in verschiedenen Regionen – und erklären, warum ein kurzfristiges Erstgespräch nicht mit einem verfügbaren spezialisierten Diagnostik- oder Behandlungsplatz verwechselt werden darf.

Wo ich heute stehe

Ich verstehe mich besser. Leicht ist deshalb noch lange nicht alles.

Struktur, Prioritäten und der Einstieg in Aufgaben können weiterhin schwerfallen. Unter Zeitdruck gelingt manches plötzlich, das vorher wie blockiert war. In Gesprächen drängt ein Gedanke manchmal so stark nach vorn, dass Zuhören und Abwarten zusätzliche Kraft kosten. Viele Menschen, parallele Gespräche oder bedeutungslos wirkende Reize können meine Energie schnell aufbrauchen.

Der Unterschied ist, dass ich solche Situationen heute früher erkenne und besser benennen kann. Ich sehe nicht mehr nur das, was schwierig ist, sondern auch das, was mich trägt: Neugier, Ausdauer bei interessanten Themen, technisches Verständnis, ein ausgeprägter Blick für Systeme und die Bereitschaft, mein eigenes Verhalten kritisch zu prüfen.

Verstehen ist für mich deshalb keine bequeme Erklärung. Es ist die Grundlage dafür, Grenzen früher wahrzunehmen, Unterstützung gezielter zu suchen und mit mir selbst fairer umzugehen.

Ergänzen und aneinander reiben

Auch eine gute Ergänzung kostet manchmal Kraft.

Ich lebe mit einer Frau zusammen, die sehr leistungs- und handlungsorientiert ist – im Alltag könnte man das verkürzt „hyperfunktionell“ nennen, nicht als Diagnose, sondern als anschauliche Beschreibung. Vieles ergänzt sich zwischen uns gut: Wo mir der Start oder die Priorisierung schwerfällt, bringt sie Struktur und Bewegung hinein. Wo ein komplexes Problem gründlich durchdacht werden muss, kann ich Ausdauer, Systemdenken und ungewöhnliche Lösungswege einbringen.

Was sich an guten Tagen wunderbar ergänzt, kann bei nachlassender Energie jedoch aneinander reiben. Dann trifft Tempo auf Rückzugsbedarf, schnelles Erledigen auf gründliches Durchdenken und der Wunsch nach Ordnung auf Überforderung. Ein gut gemeinter Impuls erreicht den anderen vielleicht genau in dem Moment, in dem dessen Reizverarbeitung längst voll ist.

Heute können wir solche Situationen eher als unterschiedliche Bedürfnisse erkennen – nicht sofort als fehlenden Willen oder mangelnde Wertschätzung. Das nimmt niemandem Verantwortung ab. Es hilft aber, früher über Pausen, Belastungsgrenzen, Zuständigkeiten und Erwartungen zu sprechen, bevor aus einer guten Ergänzung dauerhafte Überforderung wird.

Aus einem Versuch wurde ein Projekt

Wie KI für mich zum Wissens- und Arbeitswerkzeug wurde

Nach dem Zusammenbruch wollte ich verstehen, was mir da eigentlich passiert war. Gleichzeitig erlebte ich, wie schwer es als Kassenpatient sein kann, überhaupt eine passende und spezialisierte Ansprechperson zu finden. Viele psychiatrische und psychotherapeutische Praxen waren ausgelastet, nahmen niemanden mehr auf oder behandelten zwar Depression und Erschöpfung, boten aber keine Diagnostik für ADHS und Autismus im Erwachsenenalter an. Für AuDHS brauchte es zudem jemanden, der beide Seiten und ihr Zusammenspiel erkennen konnte.

Ich nutzte KI deshalb vor allem als schnellen Zugang zu vorhandenem Wissen und als Arbeitsinstrument. In Sekunden bekam ich einen geordneten Einstieg in Zusammenhänge, Begriffe und Forschungsansätze, für die ich selbst mehrere Tage hätte suchen und lesen müssen.

Noch wichtiger war etwas sehr Praktisches: Das Werkzeug übernahm Standardarbeiten, zu denen mir in dieser Phase Konzentration, Energie und Überblick fehlten – Texte strukturieren, Informationen vergleichen, Listen erstellen, lange Inhalte zusammenfassen und aus einem Gedankenchaos einen bearbeitbaren nächsten Schritt machen.

Wissen bündeln

Tage der Recherche wurden auf Minuten verdichtet

Statt mich durch zahllose Suchergebnisse und Fachbegriffe zu arbeiten, konnte ich mir zunächst einen Überblick erstellen lassen, einzelne Punkte vertiefen und passende Quellen gezielt nachlesen. Das ersparte mir nicht das Denken – aber sehr viel Suchen, Sortieren und Wiederholen.

Protokoll führen

Neue Ereignisse bekamen einen Zusammenhang

In einem fortlaufend gepflegten Protokoll sammelte ich Erinnerungen, Unterlagen, Beschwerden, Veränderungen und konkrete Alltagssituationen. Neue Informationen standen dadurch nicht isoliert im Raum. Sie ließen sich mit früheren Einträgen vergleichen, zeitlich einordnen und auf wiederkehrende Muster oder Widersprüche prüfen.

Fachlich fokussieren

Der Prompt bestimmte, welches Wissen gerade gebraucht wurde

Mit einem gezielten Prompt gab ich Aufgabe, Fachgebiet, Blickwinkel und gewünschte Arbeitsweise vor. Aus einem allgemeinen System wurde so für die jeweilige Aufgabe ein spezialisierter Fachassistent: einmal zum Ordnen einer Lebensgeschichte, dann zum Vergleichen von ADHS und Autismus oder zum Vorbereiten eines Arztgesprächs.

Auf diesem Weg stieß ich auch auf Behandlungsansätze und Medikamente, darunter Bupropion. Wirkprinzipien, typische Einsatzgebiete, Fachbegriffe und sinnvolle Fragen ließen sich so aufbereiten, dass ich nicht unvorbereitet in ein Arztgespräch gehen musste.

Ob ein Medikament tatsächlich geeignet ist, blieb eine ärztliche Entscheidung. Der praktische Nutzen lag für mich darin, aus tagelanger Vorrecherche in kurzer Zeit eine verständliche Gesprächsgrundlage zu machen.

Auch meine zunächst nicht eindeutigen ADHS-Ergebnisse ließen sich mithilfe des Protokolls besser in den Gesamtkontext stellen. Die KI konnte frühere Beobachtungen, autistische Merkmale, erlernte Kompensation und die konkreten Testsituationen nebeneinanderlegen. Dadurch wurde nachvollziehbarer, warum ein einzelner Screeningwert mein Erleben nicht vollständig abbildete und welche Punkte bei der weiteren fachlichen Abklärung genauer betrachtet werden sollten.

Der größte Nutzen lag für mich deshalb nicht in einer einzelnen Antwort. Er entstand durch das Zusammenspiel aus umfangreichem Protokoll, gezieltem Prompt und fortlaufender Einordnung. Ich musste meine Geschichte nicht bei jeder neuen Frage wieder von vorn erzählen. Neue Ereignisse konnten in den vorhandenen Zusammenhang eingeordnet, bisherige Bewertungen überprüft und neue Arbeitshypothesen entwickelt werden. Gerade in einer Zeit, in der ich viele dieser Standardarbeiten selbst nicht zuverlässig bewältigen konnte, war diese Entlastung entscheidend.

Aus dieser Arbeitsweise entstand zunächst ein umfangreicher Prompt und daraus schließlich diese Website. Sie soll anderen einen Teil der Recherche, Sortierung und Vorbereitung abnehmen, die mich so viel Zeit und Kraft gekostet hat. Menschen sollen schneller passende Begriffe, Zusammenhänge und weiterführende Informationen finden – und mit einem besser geordneten Bild ihrer Erfahrungen in die nächsten Gespräche gehen können.

01

Entlastend

Standardarbeiten abnehmen, wenn Kraft, Konzentration und Überblick fehlen.

02

Zusammenhängend

Neue Informationen in ein gepflegtes Protokoll und eine Lebensgeschichte einordnen.

03

Fokussiert

Mit einem gezielten Prompt genau das Fachwissen aktivieren, das gerade benötigt wird.

04

Nützlich

Aus Wissen konkrete Fragen, Übersichten und nächste Arbeitsschritte machen.

Meine Rolle

Persönliche Initiative – keine Fachpraxis

Ich bin weder Arzt noch Psychotherapeut und biete keine Diagnose oder Behandlung an. Ich erzähle als Betroffener von meinem eigenen Weg und bereite Informationen so auf, dass andere leichter einen Anfang finden. Digitale Werkzeuge unterstützen mich dabei; Auswahl, Überarbeitung und Veröffentlichung verantworte ich selbst.

Diese Website soll professionelle Hilfe nicht ersetzen. Sie soll dabei helfen, die eigenen Fragen besser zu verstehen, seriöse Angebote von großen Versprechen zu unterscheiden und gut vorbereitet in ein Gespräch mit einer qualifizierten Fachperson zu gehen. Fachliche Grenzen, Unsicherheiten und mögliche Interessen von Anbietern sollen dabei nicht versteckt werden.

Mitdenken und verbessern

Hinweise sind willkommen.

Wenn dir eine unklare Formulierung, ein fehlerhafter Link oder eine fehlende seriöse Anlaufstelle auffällt, kannst du mir schreiben. Bitte sende über das Kontaktformular keine vertraulichen Gesundheitsdaten oder medizinischen Unterlagen.

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