Offizieller Fachbegriff
Teil anerkannter Diagnosekriterien oder einer fachlichen Diagnostik. Auch dann entscheidet nie ein einzelnes Merkmal.
Begriffe richtig einordnen
RSD, Hyperfokus, Overload oder neurodivergenter Burnout können Erfahrungen erstaunlich gut beschreiben. Im Internet stehen solche Wörter jedoch oft nebeneinander, als seien sie gleich eindeutig belegt. Diese Seite trennt deshalb: Was gehört zur Diagnostik? Was wird wissenschaftlich untersucht? Und was ist vor allem ein hilfreiches Bild für das eigene Erleben?

Eine kleine Lesehilfe
Teil anerkannter Diagnosekriterien oder einer fachlichen Diagnostik. Auch dann entscheidet nie ein einzelnes Merkmal.
In Studien beschrieben, aber nicht automatisch eine eigene Diagnose oder eindeutig nur einem Profil zuzuordnen.
Kann Erfahrungen verständlich machen, hat aber keine einheitliche Definition oder diagnostische Grenze.
Definition, Messung oder Eigenständigkeit sind noch nicht ausreichend geklärt. Vorsicht bei starken Versprechen.
Häufig gelesen – selten erklärt
Damit sind Steuerungsleistungen wie Beginnen, Planen, Priorisieren, Wechseln, Arbeitsgedächtnis und Impulskontrolle gemeint. Schwierigkeiten dabei können bei ADHS wichtig sein, kommen aber auch bei Schlafmangel, Depression, Stress und anderen Belastungen vor.
„Zeitblindheit“ ist ein anschaulicher Alltagsbegriff. Bei ADHS können Zeitschätzung, Zukunftsgefühl und zeitliches Organisieren beeinträchtigt sein. Das bedeutet nicht, dass jede Verspätung ADHS ist – entscheidend sind Häufigkeit, Ausmaß und Folgen.
Starke Aufgabenvertiefung kann produktiv und befriedigend sein. Sie kann zugleich Übergänge erschweren oder Essen, Schlaf und andere Pflichten verdrängen. Studien beschreiben dieses Erleben; es ist aber kein eigenständiges Diagnosekriterium.
Das Modell beschreibt Aufmerksamkeit, die sich stark auf wenige Interessen oder Verarbeitungskanäle bündelt. Viele Autistinnen und Autisten finden darin ihr Erleben wieder. Es ist eine interessante Forschungsperspektive, aber kein bewiesener alleiniger Mechanismus des Autismus.
RSD beschreibt sehr schmerzhaftes Reagieren auf tatsächliche oder vermutete Ablehnung. Der Begriff ist weder eine eigene Diagnose noch ein offizielles ADHS-Kriterium. Emotionsregulation und Zurückweisungssensitivität werden erforscht, treten jedoch auch ohne ADHS und bei anderen psychischen Belastungen auf.
Gemeint sind Schwierigkeiten, eigene Gefühle zu erkennen oder in Worte zu fassen. Das kommt in autistischen Stichproben häufiger vor, ist aber weder bei allen autistischen Menschen vorhanden noch ein Kernmerkmal der Diagnose.
Interozeption bezeichnet die Wahrnehmung innerer Körpersignale, etwa Hunger, Herzschlag oder Anspannung. Die Forschung bei Autismus ergibt je nach Messmethode unterschiedliche Befunde. Pauschale Aussagen wie „Autistische Menschen spüren ihren Körper nicht“ sind daher falsch.
Das Verhalten kann real und stark belastend sein. PDA ist jedoch keine eigenständige anerkannte Diagnose; Definitionen und Fragebögen sind uneinheitlich. Angst, Kontrollverlust, Überforderung, Trauma oder andere Erklärungen müssen mitgedacht werden.
ADHS lässt sich nicht korrekt mit „zu wenig Dopamin“ erklären. Belohnung, Motivation und Aktivierung werden komplex reguliert. Schnelle Reize – etwa Gaming, Nikotin, Alkohol, Kaufen oder wechselnde Kontakte – können kurzfristig aktivieren oder beruhigen. Daraus folgt weder automatisch Sucht noch ist riskantes Verhalten harmlos.
„Spoons“ sind ein Bild für begrenzte verfügbare Energie. Es kann Gespräche erleichtern: Ein Termin kostet nicht nur seine Dauer, sondern auch Vorbereitung, Regulation und Erholung. Es ist keine medizinische Messgröße.
Wenn die Regulation nicht mehr reicht
Die Grenzen sind im Alltag nicht immer scharf. Trotzdem hilft die Unterscheidung, weil ein kurzer akuter Zustand etwas anderes braucht als eine über Monate verlorene Belastbarkeit.
Reize, Aufgaben oder soziale Anforderungen übersteigen die aktuelle Verarbeitungskapazität. Denken, Sprechen und Entscheiden werden schwerer; Fluchtimpuls, Reizbarkeit oder körperliche Anspannung können zunehmen.
Hilfreich:Anforderungen stoppen, Reize reduzieren, kurze klare Sprache, Rückzug ermöglichen.
Die Selbstregulation bricht vorübergehend zusammen. Weinen, Rufen, hektische Bewegung oder Kontrollverlust können auftreten. Das ist nicht automatisch Absicht, Trotz oder Manipulation.
Hilfreich:Sicherheit, Abstand, wenig Sprache und keine Diskussion im Höhepunkt. Später gemeinsam Auslöser und Schutzfaktoren betrachten.
Die Reaktion geht eher nach innen: Sprechen, Bewegung oder Entscheidungen sind stark erschwert; die Person wirkt abwesend oder zieht sich zurück. Von außen kann der Zustand leicht als Ruhe missverstanden werden.
Hilfreich:Zeit, geringe Anforderungen, alternative Kommunikation und ein sicherer Rückzugsort.
Forschung beschreibt eine länger anhaltende, tiefgreifende Erschöpfung mit Verlust bisheriger Fähigkeiten und geringerer Reiz- und Alltagstoleranz. Häufig genannt werden chronische Überforderung, Masking und fehlende Erholung. „Neurodivergenter Burnout“ wird breiter verwendet, ist aber noch ungenauer definiert. Beides sind bislang keine eigenständigen ICD-Diagnosen.
Hilfreich:Belastung deutlich senken, Erholung ermöglichen und gleichzeitig Depression, Schlaf, körperliche Ursachen und andere Erkrankungen fachlich prüfen lassen.
Ähnliches Erleben – verschiedene Ursachen
| Beobachtung | Mögliche Zusammenhänge | Was beim Einordnen hilft |
|---|---|---|
| Konzentration bricht ein | ADHS, Überlastung, Schlafmangel, Depression, Angst, Schmerzen, Medikamente oder körperliche Erkrankung | Seit wann? In welchen Aufgaben? Was verbessert oder verschlechtert es? |
| Rückzug und wenig Sprache | Shutdown, Erschöpfung, Depression, soziale Angst, Migräne oder akute körperliche Belastung | Plötzlich oder längerfristig? Freiwilliger Rückzug oder keine Reaktion möglich? |
| Geräusche und Licht werden unerträglich | Autistische Reizverarbeitung, Stress, Migräne, Schlafmangel, Hör- oder Augenerkrankung | Lebenslanges Muster oder neu? Bestimmte Reize? Neurologische oder körperliche Begleitsymptome? |
| Gefühle schlagen sehr stark um | Emotionsregulationsprobleme, Ablehnungssensitivität, Trauma, Angst, Depression oder andere psychische Erkrankungen | Auslöser, Verlauf, Dauer, Beziehungsmuster und Folgen dokumentieren. |
| Alltagsfähigkeiten gehen verloren | Burnout, Depression, schwere Überlastung, Infektfolgen, Schlaf- oder körperliche Erkrankung | Welche Fähigkeit? Seit wann? Wie rasch? Ärztlich und psychotherapeutisch abklären, wenn es anhält oder zunimmt. |
Vom Wort zum nächsten Schritt
Wenn ein Begriff passt, beschreibe zusätzlich eine konkrete Situation: Was war vorher? Was kam gleichzeitig an? Was konntest du nicht mehr tun? Wie lange hielt es an? Was half wirklich? Damit können Fachpersonen, Angehörige und du selbst mehr anfangen als mit einem Etikett allein.
Quellen und Grenzen
Stand: 27. August 2026. Besonders bei populären Internetbegriffen entwickelt sich der Forschungsstand weiter. Die Einordnung ersetzt keine individuelle Diagnostik.