1 · Abklären
Was erklärt die Beschwerden?
Verlauf, Schlaf, körperliche und psychische Gesundheit besprechen. Untersuchungen passend zu den Hinweisen auswählen.
ADHS bei Erwachsenen · Körperliche Gesundheit
Schlechter Schlaf, eine körperliche Erkrankung oder ein Nährstoffmangel können ähnliche Beschwerden verursachen – oder eine bestehende ADHS zusätzlich belasten. Deshalb gehört zur Abklärung auch der Blick auf die körperliche Gesundheit.
Hier erfährst Du, was vor einer Behandlung wichtig ist, wann Blutwerte weiterhelfen und wie Ernährung den Alltag unterstützen kann. Die Hinweise beziehen sich auf Erwachsene; bei Kindern gelten teilweise andere Untersuchungen und Kontrollabstände.
Informationsstand: 24. September 2026
1 · Abklären
Verlauf, Schlaf, körperliche und psychische Gesundheit besprechen. Untersuchungen passend zu den Hinweisen auswählen.
2 · Sicher behandeln
Vorerkrankungen, andere Mittel und mögliche Risiken prüfen. Ausgangswerte wie Blutdruck, Puls und Gewicht festhalten.
3 · Im Blick behalten
Wirkung, Nebenwirkungen, Schlaf, Appetit und Belastbarkeit verfolgen. Blutwerte nicht ohne Grund immer wieder messen.
Eine sorgfältige Abklärung ist wichtig – eine feste Liste von Bluttests für alle gibt es nicht. Die körperliche Untersuchung und das Gespräch bestimmen, ob weitere Tests erforderlich sind. Man muss nicht erst auf eigene Kosten sämtliche Laborwerte untersuchen lassen, um eine ADHS-Diagnostik beginnen zu können.
Für die ADHS-Abklärung ist wichtig, ob entsprechende Schwierigkeiten schon in der Kindheit bestanden und in mehreren Lebensbereichen auftreten. Erst kürzlich entstandene Konzentrationsprobleme brauchen eine eigene Erklärung. Alte Zeugnisse und Erinnerungen können helfen, sind aber nicht die einzige Informationsquelle.
Schlafmangel und verschobene Schlafzeiten können Aufmerksamkeit und Stimmung beeinträchtigen. Starkes Schnarchen, beobachtete Atemaussetzer oder ausgeprägte Tagesschläfrigkeit ansprechen. Ein normales Blutbild schließt eine Schlafstörung nicht aus.
Auch Depressionen, Ängste, starke Stimmungsschwankungen, Substanzkonsum und Essprobleme gehören ins Gespräch. Eine weitere Erkrankung und ADHS können gleichzeitig bestehen. Es geht nicht darum, Beschwerden gegeneinander auszuspielen.
Beispielsweise ungewöhnliche Erschöpfung, Herzrasen, Gewichtsveränderung, Blutverluste, Verdauungsprobleme oder Kribbeln nennen. Auch Ernährung, Vorerkrankungen und alle Medikamente sowie Nahrungsergänzungen sind relevant.
Vor einem Medikament kommen insbesondere Herz-Kreislauf-Vorgeschichte, Blutdruck, Puls und Gewicht hinzu. Ohnmacht bei Belastung, bekannte Herzerkrankungen und frühe plötzliche Todesfälle in der Familie müssen angesprochen werden. Ob ein EKG nötig ist, hängt von den Befunden und dem Präparat ab. Quelle: ADHS-Leitlinie NICE
Blutwerte können eine zusätzliche Erkrankung oder einen Mangel aufzeigen. Sie bestätigen oder widerlegen keine ADHS. Bei anhaltender ungeklärter Müdigkeit empfiehlt die DEGAM eine begrenzte Basisdiagnostik; weiterführende Werte richten sich nach konkreten Hinweisen. Quelle: DEGAM-Leitlinie Müdigkeit
Bei Müdigkeit, Blässe, Luftnot unter Belastung oder Blutverlusten kann es weiterhelfen. Hämoglobin und die Größe der roten Blutkörperchen geben Hinweise auf mögliche Ursachen. Ein „großes Blutbild“ enthält nicht automatisch Eisen-, Vitamin- oder Schilddrüsenwerte.
Besonders bei starken Monatsblutungen, anderen Blutverlusten, eingeschränkter Ernährung oder Verdacht auf Eisenmangel relevant. Ein Mangel ist auch ohne Blutarmut möglich. Bei Entzündungen kann Ferritin trotz Mangels unauffällig oder erhöht sein; dann helfen unter anderem CRP und Transferrinsättigung bei der Einordnung. Serumeisen allein reicht nicht.
Bei abendlichem Bewegungsdrang in den Beinen, der in Ruhe zunimmt und durch Bewegung nachlässt, sollte ein Restless-Legs-Syndrom geprüft werden. Hier gelten besondere Empfehlungen zum Eisenstoffwechsel – keine allgemeinen „ADHS-Zielwerte“. Eisenmangel · Restless Legs
Unter- und Überfunktion können unter anderem Antrieb, Konzentration und Unruhe beeinflussen. Bei passenden Beschwerden oder ungeklärter Müdigkeit kann TSH ein erster Test sein. Weitere Schilddrüsenwerte werden je nach Ergebnis und Verdacht ergänzt, nicht grundsätzlich alle auf einmal. Quelle: DEGAM
Zum Beispiel bei veganer Ernährung ohne ausreichende Ergänzung, bestimmten Magen-Darm-Erkrankungen oder -Operationen sowie bei Einnahme von Metformin oder Säureblockern. Kribbeln, Taubheit und unerklärte kognitive Schwierigkeiten sind wichtige Hinweise. Ein normales Blutbild schließt B12-Mangel nicht aus. Bei unklaren Ergebnissen kann die Praxis weitere Tests auswählen. Bereits eingenommenes B12 unbedingt angeben. Quelle: NICE
Diese können zur Abklärung länger bestehender ungeklärter Müdigkeit gehören. Nierenwerte und Elektrolyte werden insbesondere bei passenden Risiken, Erkrankungen oder Medikamenten ergänzt. Das ist eine Suche nach zusätzlichen Ursachen, kein spezielles ADHS-Labor. Quelle: DEGAM
Nicht allein wegen ADHS routinemäßig bestimmen lassen. Ein konkreter Mangelverdacht, auffällige Ernährung oder eine andere Erkrankung kann eine gezielte Untersuchung begründen. Bei Vitamin D wird von allgemeinen Routine-Screenings ohne entsprechende Indikation abgeraten. Quelle: Endocrine Society
Ein auffälliger Wert braucht eine Erklärung: Warum ist er verändert? Muss etwas behandelt werden? Wann wird die Wirkung kontrolliert? Die Praxis sollte erklären, was aus dem Ergebnis folgt.
Der Nutzen liegt meist darin, zusätzliche Ursachen für Müdigkeit, Unruhe oder Konzentrationsprobleme zu erkennen. Wird beispielsweise ein Eisenmangel behandelt, können sich die dadurch verursachten Beschwerden bessern. So werden zusätzliche Belastungen gezielt behandelt.
Die folgenden Angaben gelten als Orientierung für Erwachsene außerhalb einer Schwangerschaft. Vergleiche immer auch die Einheit und den Referenzbereich auf Deinem Befund. Manche Zahlen sind Grenzen für eine weitere Abklärung, keine vollständigen „Normalbereiche“. Für Kinder, Schwangerschaft und bestimmte Erkrankungen gelten andere Maßstäbe. Spezielle, allgemein anerkannte „ADHS-Optimalwerte“ gibt es für diese Blutwerte nicht.
Warum hilfreich? Blutarmut kann müde und weniger belastbar machen. Das kann Konzentrationsprobleme zusätzlich verstärken.
Orientierung: Die WHO setzt für nicht schwangere Frauen von 15 bis 65 Jahren die Grenze für Blutarmut bei unter 12 g/dl, für gleichaltrige Männer bei unter 13 g/dl. Das entspricht 120 beziehungsweise 130 g/l. Für den gesamten Referenzbereich zählt der Laborbefund.
Was folgt daraus? Unterhalb dieser Grenze die Ursache klären, etwa Blutverluste, Eisen- oder Vitaminmangel. Auch Werte oberhalb des Laborbereichs gehören eingeordnet. Nicht jede Blutarmut wird mit Eisen behandelt. WHO: Hämoglobin
Warum hilfreich? Eisenmangel kann Müdigkeit verursachen, auch bevor eine Blutarmut entsteht. Bei Restless Legs kann die Eisenversorgung außerdem für die Behandlung der nächtlichen Beschwerden wichtig sein.
Orientierung: Ferritin unter 15 µg/l spricht klar für leere Eisenspeicher. Bei höheren Werten ist ein Mangel nicht automatisch ausgeschlossen, besonders bei Entzündungen. Eine Transferrinsättigung unter 20 % spricht für eine eingeschränkte Eisenverfügbarkeit. µg/l und ng/ml sind bei Ferritin zahlenmäßig gleich.
Was folgt daraus? Blutbild, Entzündungswerte und mögliche Blutverluste gemeinsam beurteilen. Für Restless Legs gelten eigene Behandlungsgrenzen. Daraus ergibt sich kein allgemeiner Ferritin-Zielwert für ADHS. Onkopedia: Eisenmangel · Restless Legs
Warum hilfreich? Eine Unterfunktion kann Antrieb und Konzentration beeinträchtigen. Eine Überfunktion kann unter anderem Unruhe und Herzrasen verursachen. Beides kann mit ADHS verwechselt werden oder zusätzlich bestehen.
Orientierung: Häufig liegt der Referenzbereich etwa bei 0,4–4,0 mU/l. Im höheren Alter gelten teilweise höhere Obergrenzen: nach DEGAM über 70 bis 80 Jahre 5,0 und über 80 Jahre 6,0 mU/l.
Was folgt daraus? Ein leicht erhöhtes TSH wird meist kontrolliert und zusammen mit dem Schilddrüsenhormon fT4 beurteilt. Über 10 mU/l ist eine gezielte Abklärung und Besprechung der Behandlung wichtig. Bei erniedrigtem TSH werden je nach Befund fT4 und fT3 ergänzt. Ein einzelner leicht abweichender Wert bedeutet nicht automatisch, dass Medikamente nötig sind. DEGAM: TSH
Warum hilfreich? Ein Mangel kann Müdigkeit, Denk- und Konzentrationsprobleme sowie Kribbeln oder Taubheit verursachen.
Orientierung nach NICE: Gesamt-B12 unter 180 pg/ml: Mangel; 180–350 pg/ml: unklarer Bereich; über 350 pg/ml: Mangel weniger wahrscheinlich. pg/ml entspricht ng/l. Bei aktivem B12 (Holo-TC) gelten andere Grenzen: unter 25, 25–70 beziehungsweise über 70 pmol/l.
Was folgt daraus? Bei Beschwerden und unklarem Ergebnis kann Methylmalonsäure (MMA) weiterhelfen. Neue Taubheit oder Gangunsicherheit zeitnah untersuchen lassen. Bereits eingenommene Präparate beeinflussen die Messung. Ein hoher Wert durch Ergänzungen belegt keinen zusätzlichen Nutzen für ADHS. NICE: Vitamin B12
Warum hilfreich? Ein gestörter Zuckerstoffwechsel kann Müdigkeit verursachen. Starker Durst und häufiges Wasserlassen sind zusätzliche Hinweise.
Orientierung: Beim Nüchternblutzucker aus venösem Blut gilt unter 100 mg/dl als unterhalb der Grenze für erhöhte Werte; 100–125 mg/dl bedeutet erhöhtes Diabetesrisiko; ab 126 mg/dl liegt der Wert im Diabetesbereich. Entsprechend: unter 5,6; 5,6–6,9; ab 7,0 mmol/l. Nüchtern heißt mindestens acht Stunden ohne Kalorien.
Beim HbA1c liegen die Grenzen bei unter 5,7 %, 5,7 bis unter 6,5 % und ab 6,5 %. Ein niedrigerer Wert ist nicht unbegrenzt besser.
Was folgt daraus? Erhöhte Werte besprechen; ein Ergebnis im Diabetesbereich muss ohne eindeutige Beschwerden in der Regel bestätigt werden. Blutarmut und andere Einflüsse können den HbA1c verfälschen. Diabetes: Diagnosegrenzen
Warum hilfreich? Einen tatsächlichen Mangel zu erkennen kann bei passenden Beschwerden oder Risiken sinnvoll sein. Dass höhere Spiegel ADHS verbessern, ist damit nicht belegt.
Orientierung für 25-OH-Vitamin D nach NIH/NASEM: Unter 12 ng/ml spricht für ein Mangelrisiko; 12 bis unter 20 ng/ml kann unzureichend sein. Ab 20 ng/ml ist die Versorgung für die Knochengesundheit der meisten Menschen ausreichend. Über 50 ng/ml kann mit unerwünschten Wirkungen verbunden sein und ist kein anzustrebendes Ziel. Umrechnung: ng/ml × 2,5 = nmol/l.
Was folgt daraus? Niedrige oder hohe Werte mit Risiken, Beschwerden und eingenommenen Präparaten abgleichen. Fachgesellschaften verwenden teilweise unterschiedliche Grenzen. ADHS allein begründet keine regelmäßige Vitamin-D-Messung. NIH: Vitamin-D-Spiegel
Warum hilfreich? Entzündungen, Organerkrankungen oder Störungen im Salzhaushalt können die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. CRP hilft außerdem, Ferritin einzuordnen.
Orientierung: CRP liegt häufig unter 5 mg/l, Natrium bei 135–145 mmol/l. Für Leberwerte, Kreatinin und andere Elektrolyte sind Messverfahren, Alter und weitere Befunde wichtig. Hier ist der angegebene Laborbereich hilfreicher als eine pauschale Zahl.
Was folgt daraus? Abweichungen nach Ausmaß, Beschwerden, Medikamenten und Verlauf abklären. Besonders Kalium- und Natriumstörungen können rasche Rücksprache erfordern. Nicht selbst mit Salz- oder Mineralstoffpräparaten korrigieren. Laborinformationen der Uniklinik Ulm
Warum hilfreich? Diese Stoffe unterstützen unter anderem Blutbildung, Nerven, Muskeln und Stoffwechsel. Ein Mangel kann zusätzliche Beschwerden verursachen. Daraus folgt aber keine Empfehlung, sie bei ADHS vorsorglich höher zu dosieren.
Orientierung: Für Magnesium nennt die Uniklinik Ulm beispielsweise 0,66–1,07 mmol/l für 20- bis 60-Jährige. Für Folat und Zink hängen die Bereiche stark von Probe und Methode ab: den Befundbereich verwenden. Ein Serumwert bildet die Versorgung nicht immer vollständig ab.
Was folgt daraus? Bei auffälligen Werten Ernährung, Aufnahme im Darm und Medikamente prüfen. Vor einer Behandlung mit Folsäure auch an B12-Mangel denken. Für eine Verbesserung der ADHS gibt es keine anerkannten Zielspiegel. Magnesium: Laborbereich
Ein leicht abweichender Wert ist meist kein Notfall. Bei akuter Verwirrtheit, Ohnmacht oder schweren körperlichen Beschwerden zählt aber die aktuelle Situation, nicht diese Übersicht: Akute Hilfe.
Nutze einen Arzttermin auch dafür, Veränderungen anzusprechen. Ein jährliches Komplettlabor allein wegen ADHS ist dagegen kein allgemeiner Standard.
NICE empfiehlt bei Erwachsenen Gewichtskontrollen etwa alle sechs Monate; Blutdruck und Puls vor und nach Dosisänderungen sowie alle sechs Monate. Bei Auffälligkeiten früher. Schlaf, Appetit, Wirkung und Nebenwirkungen gehören ebenfalls in die Verlaufskontrolle. Die jeweilige Fachinformation und der individuelle Behandlungsplan sind zusätzlich maßgeblich.
Die Praxis legt fest, welcher Wert wann kontrolliert wird. Die Abstände unterscheiden sich etwa bei Eisenmangel, Schilddrüsenerkrankungen oder B12-Behandlung. Entscheidend ist, ob der Befund eine Behandlung verändern würde.
Nicht bis zur nächsten Routinekontrolle warten, wenn die Belastbarkeit deutlich nachlässt, Gewicht ungewollt verloren geht oder neue körperliche Symptome auftreten. Zuerst Beschwerden und Verlauf besprechen, dann passende Untersuchungen auswählen.
Schlaf, regelmäßiges Essen, Bewegung und allgemeine Vorsorge bleiben wichtig. Für Blutdruck, Diabetes- oder Herz-Kreislauf-Risiken gelten die üblichen alters- und risikobezogenen Empfehlungen – nicht automatisch zusätzliche Tests wegen ADHS.
Routinemäßige Bluttests einschließlich Leberwerten und routinemäßige EKGs unter ADHS-Medikamenten werden von NICE ohne klinischen Anlass nicht empfohlen. Das schließt gezielte Kontrollen bei Beschwerden, Vorerkrankungen oder präparatspezifischen Anforderungen nicht aus. Quelle und Kontrollabstände
Ernährung und Forschung
Eine passende Ernährung versorgt den Körper und kann den Alltag erleichtern. Einige Studien zeigen darüber hinaus Verbesserungen bei ADHS-Beschwerden. Wie gut das belegt ist, hängt von der Maßnahme und der untersuchten Gruppe ab: Die meisten Studien betreffen Kinder, deutlich weniger Erwachsene.
In der TRACE-Studie erhielten 165 Kinder mit ADHS entweder eine ausgewogene Ernährung oder eine Ausschlussdiät, bei der viele Lebensmittel weggelassen wurden. Nach fünf Wochen verbesserten sich die untersuchten ADHS- und Emotionsregulationsprobleme bei 51 % mit ausgewogener Ernährung und 35 % mit Ausschlussdiät teilweise bis vollständig. Die Familien wussten, welche Ernährung sie umsetzten; Beratung und neue Alltagsabläufe können zum Ergebnis beigetragen haben.
Auch eine kleinere Studie zur DASH-Ernährung fand Verbesserungen bei Kindern. Dabei stehen Gemüse, Obst, Vollkorn und passende Eiweißquellen im Vordergrund. Für Erwachsene ist ein vergleichbarer Effekt auf ADHS noch nicht ausreichend untersucht.
Für den Alltag: Zuerst regelmäßige, abwechslungsreiche Mahlzeiten erleichtern. Dafür braucht es keine komplizierte Spezialdiät. TRACE-Studie · DASH-Studie
Eine achtwöchige Studie mit 80 Erwachsenen fand unter einer Vitamin-Mineralstoff-Mischung stärkere Verbesserungen als unter Placebo. Das zeigte sich in der Selbstbeurteilung und in Einschätzungen anderer Personen, aber nicht auf allen ärztlichen ADHS-Skalen.
In der MADDY-Studie mit Kindern wurden 54 % mit Mikronährstoffen gegenüber 18 % mit Placebo ärztlich als deutlich oder sehr deutlich insgesamt verbessert eingeschätzt. Beim zusammengefassten Elternfragebogen war der Unterschied zwischen den Gruppen dagegen nicht eindeutig.
Was das bedeutet: Die Ergebnisse sind vielversprechend, betreffen aber konkrete Mischungen und kurze Behandlungszeiträume. Welche Bestandteile helfen und wer langfristig profitiert, ist noch offen. Ein beliebiges Multivitaminpräparat ist damit nicht gleichzusetzen. Studie mit Erwachsenen · MADDY-Studie
Die Cochrane-Auswertung von 2023 umfasst 37 Studien mit mehr als 2.374 Kindern und Jugendlichen. Bei den zentralen ADHS-Symptomen zeigte sich insgesamt kein überzeugender Vorteil gegenüber Placebo. Für Erwachsene ist die Datenlage begrenzter.
Diese Aussage betrifft insbesondere Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Eine persönlich wahrgenommene Veränderung der Stimmung ist eine andere Beobachtung. Sie lässt sich konkret beschreiben, ohne sie mit einem gesicherten Effekt auf ADHS gleichzusetzen. Cochrane-Auswertung
Geruch, Konsistenz und vertraute Lebensmittel können entscheidend dafür sein, ob Essen gut funktioniert. Bei einer sehr eingeschränkten Auswahl kann Ernährungsberatung helfen, die Versorgung mit akzeptierten Lebensmitteln zu verbessern. Auch Verdauungsbeschwerden verdienen eine gezielte Abklärung.
Eine glutenfreie, milchfreie oder ketogene Ernährung wird für die Behandlung autistischer Kernmerkmale bei Erwachsenen nicht empfohlen. Bei Zöliakie oder einer nachgewiesenen Allergie ist das Weglassen der betreffenden Lebensmittel dagegen aus diesem konkreten Grund wichtig. Leitlinie für autistische Erwachsene
In kleinen Studien zeigen bestimmte Bakterienzubereitungen teilweise positive Ergebnisse. Eine kontrollierte Pilotstudie mit 15 autistischen Teilnehmenden fand beispielsweise Hinweise auf verbesserte Alltagsfähigkeiten. Die kleine Gruppe und die spezielle Zubereitung begrenzen die Aussagekraft.
Für den Alltag: Aus diesen Ergebnissen lässt sich noch nicht ableiten, welches Probiotikum wem hilft. Ein verändertes Darmmikrobiom allein sagt außerdem wenig darüber aus, ob sich jemand im Alltag besser fühlt. Pilotstudie zu Probiotika · Weitere Forschung bei Kindern
Für praktische Entscheidungen hilft die Unterscheidung: Geht es um einen Mangel, um körperliche Beschwerden, um Stimmung oder um ADHS-Symptome? So lässt sich eine Verbesserung genauer beschreiben und passend unterstützen.
Ernährung kann helfen, ausreichend Energie und Nährstoffe aufzunehmen. Sie muss dafür keine besondere „ADHS-Diät“ sein. Hilfreich sind Mahlzeiten, die zu Deinem Alltag, Deinem Appetit und Deinen Vorlieben passen.
Kombiniere möglichst eine sättigende Grundlage wie Vollkorn mit einer Eiweißquelle und Obst oder Gemüse. Ergänze passende Fette und ausreichend Getränke. Die allgemeinen DGE-Empfehlungen sind dafür eine Orientierung, keine Vorgabe für jede einzelne Mahlzeit. DGE-Empfehlungen
Ein vertrautes Frühstück, vorbereitete Portionen und wenige unkomplizierte Alternativen können Entscheidungen sparen. Zum Beispiel Haferflocken mit Joghurt, ein belegtes Brot oder eine vorbereitete Mahlzeit. Textur, Geruch und Verträglichkeit dürfen dabei eine Rolle spielen.
Wenn ein Medikament den Appetit vermindert, besprich ungewollten Gewichtsverlust frühzeitig. Plane gut verträgliche Essensgelegenheiten. Bei stark eingeschränkter Lebensmittelauswahl kann qualifizierte Ernährungsberatung helfen, Versorgung und persönliche Bedürfnisse zusammenzubringen.
Medikinet adult wird mit oder nach einer Mahlzeit eingenommen; nüchterne Einnahme kann die Wirkstofffreisetzung verändern. Das gilt nicht automatisch in gleicher Weise für andere Präparate. Ob Dein konkretes Frühstück dafür passt, lässt sich mit Praxis oder Apotheke klären. Gebrauchsinformation
Keine Lebensmittelgruppen pauschal streichen. Bei vermuteter Unverträglichkeit ist eine gezielte Abklärung sinnvoller als mehrere gleichzeitige Ausschlussdiäten. Nahrungsergänzungen können gezielt Versorgungslücken schließen. DGE: Nahrungsergänzungsmittel
Rezeptbeispiel · Eine Frühstücksportion für Erwachsene
Ein sättigender Drink, der Energie, Eiweiß, Ballaststoffe und verschiedene Nährstoffe in einer Mahlzeit verbindet. Praktisch für den Morgen, wenn Du lieber etwas trinkst als ein festes Frühstück isst.
Optional: Omega-3-Öl. Wenn Du ein solches Öl einnimmst, kannst Du Deine vorgesehene Tagesportion am Schluss untermischen. Die Milliliterangabe auf dem konkreten Produkt verwenden: Fisch- und Algenöle, auch von Norsan, sind unterschiedlich konzentriert.
Ohne Vorbereitung: Zarte Flocken zuerst trocken fein mahlen, anschließend mit den übrigen Zutaten mixen. Die Mischung dickt beim Stehen nach; bei Bedarf Wasser ergänzen.
Für einen glatten Drink eignen sich zarte Haferflocken besonders gut. Zarte und kernige Flocken bestehen beide aus dem ganzen Haferkorn; bei zarten Flocken wird es vor dem Walzen zerkleinert. Kernige Flocken kannst Du in derselben Menge verwenden. Über Nacht eingeweicht lassen sie sich leichter fein mixen.
Phytinsäure kann Mineralstoffe wie Eisen und Zink binden. Ihr Abbau hängt jedoch von Verarbeitung, Enzymaktivität und Einweichbedingungen ab. Handelsübliche Haferflocken werden wärmebehandelt; dadurch ist das abbauende Enzym weniger aktiv. Einweichen über Nacht im Kühlschrank ist deshalb keine verlässliche Methode, um viel Phytinsäure abzubauen. Kernige Flocken sind dafür nicht nachweislich besser als zarte. Im Rezept nutzen wir das Einweichen vor allem für eine weichere, gut mixbare Konsistenz.
Landwirtschaftskammer: Haferflocken und Einweichen · Forschung zu Verarbeitung und Phytatabbau in Hafer
Der Drink liefert Energie und Bausteine, die Körper und Gehirn für ihre Arbeit benötigen. Das Eiweiß liefert unter anderem Tyrosin, das der Körper zur Bildung von Dopamin verwendet. Wie viel Dopamin hergestellt und freigesetzt wird, steuert der Körper über mehrere Prozesse. Hintergrund zur Dopaminbildung · Ernährungsgrundlagen
Vitaminergänzungen richten sich nach Deiner Versorgung. Die folgenden Angaben helfen bei der Auswahl und berücksichtigen auch Vitamin D in einem verwendeten Öl.
Wofür? Für Knochen und Muskeln.
Welche Menge? Bei fehlender Bildung in der Haut nennt die DGE für Erwachsene 20 µg täglich, entsprechend 800 I.E. Das ist die Gesamtzufuhr aus Lebensmitteln und Ergänzungen, nicht automatisch eine zusätzliche Dosis. Enthält das Omega-3-Öl bereits Vitamin D, zählt diese Menge mit. Bei ausreichender Versorgung ist kein weiterer Zusatz nötig. Die Behandlung eines nachgewiesenen Mangels kann davon abweichen. DGE: Vitamin D
Wofür? Für Nerven und Blutbildung. Milchprodukte tragen zur B12-Versorgung bei.
Welche Menge? Der DGE-Schätzwert für Erwachsene beträgt 4 µg pro Tag über die Ernährung. Das ist keine pauschale Tablettendosis: Die Aufnahme aus Präparaten hängt unter anderem von Dosis, Einnahmehäufigkeit und Darmfunktion ab. Bei veganer Ernährung ist eine zuverlässige Ergänzung nötig; die passende Präparatdosis wird anhand der Versorgung festgelegt. DGE: B12-Zufuhr · B12-Ergänzung bei veganer Ernährung
Wofür? B6 ist an vielen Stoffwechselvorgängen beteiligt, auch an der Bildung von Botenstoffen.
Welche Menge? Ohne Versorgungslücke ist kein Zusatz zum Drink vorgesehen. Das BfR schlägt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 0,9 mg B6 pro Tagesportion eines Produkts vor. Das ist eine vorsorgliche Höchstmengenempfehlung, kein Einnahmeziel und keine gesetzliche Obergrenze. Längerfristig zu viel B6 kann Nerven schädigen. Mehrere Präparate deshalb zusammen betrachten. BfR: Vitamin B6
Bei Unverträglichkeiten: Laktosefreie Milchprodukte verwenden, wenn Du Laktose nicht verträgst. Bei Milcheiweißallergie müssen auch Joghurt und Whey ersetzt werden. Eine ärztlich vorgegebene Eiweißbegrenzung bei der Rezeptwahl berücksichtigen.
Zum optionalen Omega-3-Öl: Bei Vorhofflimmern, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder gerinnungshemmenden Medikamenten die Einnahme vorher besprechen. Vitamin D aus dem Öl bei weiteren Ergänzungen mitzählen. Hinweise zu Omega-3-Präparaten
„Ich möchte nicht alles auf Verdacht testen lassen. Ich möchte klären, ob zusätzlich zur ADHS etwas zu meinen Beschwerden beiträgt – und welche Kontrollen für meine Behandlung wichtig sind.“
Hier findest Du die fachlichen Grundlagen und die Originalarbeiten zum Forschungsteil. Die Quellen nennen die untersuchten Gruppen, Ergebnisse und Grenzen der Studien.